Ein Produkt schnell online gestellt, ein "geprüft“-Siegel dazugepackt, ein paar glänzende Sterne-Bewertungen geschrieben dazu - und schon flattert die Abmahnung ins Haus. Willkommen im deutschen Abmahnzirkus ☺️
Im August zeigt sich einmal mehr: Abmahner lieben Klassiker wie den fehlenden Grundpreis oder falsche Herkunftsangaben. Aber richtig teuer wird’s bei gefälschten Kundenbewertungen und Siegeln. Wer hier schummelt, riskiert nicht nur den Ruf, sondern saftige Rechnungen im vierstelligen Bereich.
Kurz gesagt: Wer im E-Commerce unterwegs ist, muss jedes Wort, jedes Bild und jede Bewertung prüfen. Hier findest Du alle aktuellen Fälle im Überblick - mit Kosten und Tipps, wie Du Dir Ärger und Geld sparen kannst.
Täuschung: Made in Germany - aber nicht wirklich
Abmahner: KlarRecht e.V.
Kosten: 2.045,60 EUR
Ein Händler warb mit "Made in Germany", obwohl wesentliche Produktionsschritte im Ausland erfolgten. Das gilt als Irreführung über die Herkunft.
✅ Tipp:
- "Made in Germany" nur verwenden, wenn Hauptproduktion in Deutschland erfolgt
- Herkunftsangaben ehrlich und belegbar gestalten
Grundpreis I: Falsche Bezugsgröße beim Grundpreis
Abmahner: Verband Sozialer Wettbewerb e.V.
Kosten: 357,00 EUR
Slushkonzentrat wurde nach Stück statt nach Gewicht ausgezeichnet. Ein klarer Verstoß gegen die Preisangabenverordnung.
✅ Tipp:
- Grundpreise immer auf Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche beziehen
- Preise gut sichtbar angeben - auch in Google Shopping und Bundles
Kennzeichnung I: Früchte auf dem Etikett, aber nicht im Produkt
Abmahner: Anton Becker
Kosten: 2.738,79 EUR
Auf dem Etikett standen Kirschen, Äpfel und Blaubeeren - im Getränk war keine Spur davon. Das ist Irreführung nach den Leitsätzen für Obsterzeugnisse.
✅ Tipp:
- Früchte nur bewerben, wenn sie auch wirklich enthalten sind
Werbung I: "Klinisch getestet" - ohne Nachweis
Abmahner: Verband Sozialer Wettbewerb e.V.
Kosten: 350,00 EUR
Kosmetikprodukte wurden mit "klinisch getestet" beworben - ohne Studien oder Quellen. Damit wurde dem Verbraucher eine nicht belegte Qualität suggeriert.
✅ Tipp:
- Niemals Gesundheitsversprechen ohne valide Studien
- Testangaben immer mit Quelle und Kriterien belegen
Werbung II: "Laborgeprüft" ohne Quelle
Abmahner: vgu - Verein gegen Unwesen in Handel & Gewerbe Köln e.V.
Kosten: 300,00 EUR
Ein Produkt wurde als "laborgeprüft" beworben - ohne Hinweis auf Prüfstelle oder Testkriterien.
✅ Tipp:
- Prüfstellen und Kriterien nennen
- Transparenz ist Pflicht, sonst droht Täuschung
Werbung III: Gefälschte Bewertungen & unzulässige Siegel
Abmahner: Sanocycling GmbH
Kosten: 2.123,08 EUR
Ein Shop nutzte manipulierte Sternebewertungen und ein eigenes Siegel. Eine klare Irreführung.
✅ Tipp:
- Nur echte Bewertungen verwenden
- Sterne und Siegel nie manipulieren
Werbung IV: Werbemails ohne Einwilligung
Abmahner: Trimexa GmbH
Kosten: 388,12 EUR zzgl. Schadensersatz
E-Mail-Werbung ohne Opt-in - ein Klassiker. Dazu wurde Auskunft nach DSGVO gefordert.
✅ Tipp:
- Nur Double-Opt-In nutzen
- Protokolle sorgfältig archivieren
Werbung V: Herstellergarantie ohne Erklärung
Abmahner: Stephan Schulze
Kosten: n.n.
"2 Jahre Herstellergarantie" - ohne jegliche Pflichtangaben zu Dauer, Bedingungen oder Geber.
✅ Tipp:
- Alle Pflichtangaben nennen (Geber, Dauer, Bedingungen, Hinweis auf gesetzliche Rechte)
Werbung VI: BAFA-Förderung zu hoch angegeben
Abmahner: Deutsche Energie Audit & Optimierungs GmbH
Kosten: 1.372,78 EUR
Es wurde mit 80 % BAFA-Förderung geworben - tatsächlich waren nur 50 % möglich.
✅ Tipp:
- Förderprogramme nur mit echten Zahlen bewerben
- Quelle immer angeben
Werbung VII: "Ultraschallzahnbürste" ohne Ultraschall
Abmahner: vgu - Verein gegen Unwesen in Handel & Gewerbe Köln e.V.
Kosten: 270,00 EUR
Eine normale Elektrozahnbürste wurde als "Ultraschallzahnbürste" vermarktet. Eine klare Täuschung.
✅ Tipp:
- Nur echte Produkteigenschaften bewerben
Biozid I: Fehlender Pflichtwarnhinweis
Abmahner: Verband Sozialer Wettbewerb e.V.
Kosten: 238,00 EUR
Der vorgeschriebene Hinweis "Biozidprodukte vorsichtig verwenden…" fehlte.
✅ Tipp:
- Warnhinweis immer klar und lesbar angeben - auch auf Marktplätzen
Biozid II: Keine BAuA-Nummer & gefährliche Werbeaussage
Abmahner: Futura GmbH
Kosten: 1.984,62 EUR
Ein Insektenspray wurde als "ungefährlich für Kinder" beworben - Pflichtkennzeichnungen fehlten vollständig.
✅ Tipp:
- BAuA-Nummer immer angeben
- Keine eigenmächtigen Gesundheitsversprechen
Gesetz I: BFSG-Abmahnung ohne Mitbewerberstatus
Abmahner: Christopher Liermann
Kosten: 1.032,44 EUR
Ein SEO-Anbieter verschickte Abmahnungen wegen BFSG-Verstößen - ohne überhaupt Mitbewerber zu sein.
✅ Tipp:
- Solche Forderungen immer prüfen lassen
Urheberrecht I: Textklau aus einem Blogartikel
Abmahner: TextCare GmbH
Kosten: 899,00 EUR
Ein Shop kopierte Passagen aus einem Blogartikel über Nahrungsergänzungsmittel - ohne Zustimmung.
✅ Tipp:
- Nur mit ausdrücklicher Erlaubnis übernehmen
- Besser: eigenen Content erstellen
Urheberrecht II: Bildnutzung ohne Lizenz
Abmahner: pixelControl AG
Kosten: 462,70 EUR
Ein Produktbild aus einem Agenturportfolio wurde ohne Lizenz genutzt. Folge: Abmahnung plus teure Nachlizenzierung.
✅ Tipp:
- Nur lizenzierte Bilder verwenden
- Nachweise dokumentieren
Urheberrecht III: Bilder, Software & Musik ohne Rechte
Abmahner: Diverse (dpa, Geiss, Uhlenbusch, soundguardian, Steininger, B1 Recordings, Gesundheitsportal)
Kosten: 756,30 EUR - 6.450,00 EUR
Bilder aus Datenbanken, Softwarecode und Songs in Social-Media-Clips - alles ohne Lizenz genutzt.
✅ Tipp:
- Fotos und Musik nur mit gültiger Lizenz verwenden
- Quellen immer nachweisbar archivieren
- Code nur selbst entwickeln oder rechtssicher lizenzieren
Marke I: Duftname "Chérie" verletzt Markenrecht
Abmahner: LuxParfum GmbH
Kosten: 2.741,30 EUR
Ein Parfum wurde unter dem Namen "Chérie" verkauft - ein markenrechtlich geschützter Begriff.
✅ Tipp:
- Markenregister immer vorab prüfen
Marke II: "ThermoFit" als Stolperstein
Abmahner: FitnessLab Ltd.
Kosten: 1.137,00 EUR zzgl. Schadensersatz
Ein Fitnessgel trug den Namen "ThermoFit" - leider eine eingetragene Marke.
✅ Tipp:
- Produktnamen vorab prüfen lassen
Marke III: "Kniffel" als Gattungsbegriff verwendet
Abmahner: Schmidt Spiele GmbH
Kosten: 3.200,56 EUR
"Kniffel" ist keine freie Bezeichnung, sondern geschützt - die Nutzung führte zur Abmahnung.
✅ Tipp:
- Bekannte Produktnamen immer im Markenregister prüfen
Marke IV: Vorname "Elara" - trotzdem geschützt
Abmahner: Elara GmbH
Kosten: 2.301,50 EUR zzgl. Schadensersatz
Ein Kleidungsstück wurde unter "Elara" verkauft - ein eingetragener Markenname.
✅ Tipp:
- Auch Vornamen können geschützt sein
Marke V: Miele - Verkauf ohne Autorisierung
Abmahner: Miele & Cie.
Kosten: 3.354,49 EUR
Ein Händler bot Miele-Produkte ohne Autorisierung an - Verstoß gegen selektiven Vertrieb.
✅ Tipp:
- Nur autorisierte Händler dürfen verkaufen
Marke VI: "Murtfeldt" - Domain als Abfangseite
Abmahner: Murtfeldt GmbH & Co. KG
Kosten: 2.738,79 EUR
Die Domain "murtfelt.de" wurde genutzt, um Kunden abzufangen - zu nah an der Marke.
✅ Tipp:
- Keine Domains registrieren, die zu bestehenden Marken passen
Marke VII: "EquiHumin" - geschützte Futtermittel-Marke
Abmahner: WDT eG
Kosten: 2.738,79 EUR
Der Begriff "EquiHumin" ist als Marke für Tierfutter geschützt - Nutzung ohne Recht führte zur Abmahnung.
✅ Tipp:
- Gerade im medizinischen/veterinären Bereich Markenschutz genau prüfen
Marke VIII: "Zelletten" - Markenname für Tupfer
Abmahner: Lohmann & Rauscher International GmbH & Co. KG
Kosten: 2.738,79 EUR
"Zelletten" klingt generisch - ist aber eine eingetragene Marke für Tupfer.
✅ Tipp:
- Generische Begriffe immer auf Markenschutz prüfen
Und am Ende noch ein Comeback: RA Gereon Sandhage ist zurück!
Abmahner: RA Gereon Sandhage (für eine GmbH aus dem Harz)
Kosten: ca. 1.000-1.400 EUR
Nach längerer Pause ist er wieder aktiv: Abgemahnt wurden eBay-Händler, u. a. wegen Sonnenbrillen ohne Warnhinweis und irreführender Produktsicherheitsangaben ("TÜV/GS geprüft").
✅ Tipp:
- Sandhage-Abmahnungen nie vorschnell bezahlen
- Immer erst anwaltlich prüfen lassen - hier gab es oft Hinweise auf Rechtsmissbrauch
Quelle: IT Recht Kanzlei & Gemini Research
