Gestern Abend, gegen 22 Uhr. Ich sitze mit meiner Frau auf dem Sofa. Sie schaut Fernsehen. Ich lese Shopify-News.
Dabei bleibe ich bei mock.shop, den AI-Skills von Shopify und den neuen Möglichkeiten für Headless-Online-Shops hängen.
Das muss ich ausprobieren! Gesagt, getan.
Ich habe ein eigenes AI-Setup, auf das ich von überall zugreifen kann. Auch mit dem Handy vom Sofa aus. Also gebe ich meinem AI-Stack (via T3 Code) diesen Job:
Nimm SNOCKS.com als Vorlage. Analysiere Aufbau und Bedienung. Bau mir einen Headless-Online-Shop mit den Demo-Produkten von mock.shop und den bereitgestellten Skills. Schnell, mobiloptimiert und mit einem verkaufsorientierten Aufbau.
Auftrag abgeschickt. Etwas anderes gelesen.
Und dann habe ich die Sache vergessen.... und mich wieder mit meiner Frau beschäftigt.
Am nächsten Morgen: "Oh Scheiße!" 🙈
Ich sitze am Rechner und sehe den erledigten Auftrag.
Ach ja. Da war doch noch was!
Beim Start funktioniert nicht alles sofort. Die AI hat bei den Servereinstellungen etwas verbastelt. Problem korrigiert. Online-Shop geöffnet.
WTF. Jetzt sind wir wirklich gefickt 😁
Nicht 100% perfekt. Aber eine Grundlage, bei der ich erst einmal geschluckt habe.
Der Aufbau, die Produktdarstellung, die mobile Ansicht. Das war bereits verdammt gut. Und den AI-Job dafür hatte ich nebenbei vom Sofa gegeben.
➡️ Hier kannst Du Dir den Online-Shop anschauen
Kein Zauberprompt. Aber mein AI-Setup.
Jetzt könnte ich behaupten: "Ein Prompt. Ein Klick. Fertig. Kann jeder!"
Wäre eine schöne Story. Wäre aber Bullshit...
Mein Setup kombiniert Claude, Codex, eigene Skills und mein Entwickler- & E‑Commerce-Wissen. Die Agenten arbeiten zusammen und wechseln sich bei der Bearbeitung ab. Ich starte also nicht mit ChatGPT 😂
Technisch stecken drei Dinge dahinter:
- mock.shop liefert die Testdaten. Produkte und Kollektionen, mit denen sich eine Oberfläche entwickeln lässt, ohne zuerst einen eigenen Produktkatalog aufzubauen. Es ist die Datenquelle, nicht die AI, die den Online-Shop erstellt.
- Der Headless-Ansatz trennt Oberfläche und Handelssystem. Statt ein klassisches Shopify-Theme anzupassen, entsteht ein eigenständiges Frontend. Der Auftrag zielte auf eine Umsetzung mit Hydrogen, Shopifys Werkzeugen für solche Online-Shops.
- Skills geben den Coding-Agenten konkrete Anweisungen. Sie erklären, wie bestimmte Aufgaben umgesetzt werden sollen. Dazu kommen meine eigenen Vorgaben und Erfahrungen.
Das macht einen Unterschied. Genauso wie die Fähigkeit, das Ergebnis zu beurteilen und an den richtigen Stellen nachzusteuern.
Das Ergebnis kam in Stunden. Das Know-how dahinter nicht.
So wurde daraus ELYMIA TRENDS
Nach dem ersten Durchlauf habe ich weitergepromptet. Layout korrigiert, Produktdarstellung angepasst und die Bedienung auf Desktop und Mobile nachgebessert.
Denn eine schöne Startseite reicht mir nicht. Ich will auch sehen, was passiert, wenn jemand eine Variante auswählt, ein Fenster öffnet oder den Warenkorb benutzt.
Anschließend habe ich unseren Conversion-Optimierungs-MCP verwendet. Über diese Schnittstelle kann mein AI-Setup auf unser eigenes CRO-Wissen zugreifen.
Der Auftrag war jetzt nicht mehr nur: "Mach es optisch ähnlich"
Sondern
Überarbeite die Umsetzung anhand unserer Conversion-Regeln!
Produktseiten, Kaufargumente, Trust-Elemente, Versandinformationen und passende Ergänzungen im Warenkorb wurden entsprechend nachbearbeitet.
Entstanden ist ELYMIA TRENDS: ein eigener Demo-Auftritt mit Testprodukten, angelehnt an den Aufbau von SNOCKS.
Danach auf Cloudflare veröffentlicht. Fertig zum Anschauen.
Zwei bis drei Stunden statt eines fünfstelligen Projekts?
Mein aktiver Aufwand ohne AI: knapp ein halber Tag.
Das ist meine Arbeitszeit. Nicht die gesamte Laufzeit der AI. Und die veröffentlichte Version war auch nicht das unveränderte Ergebnis des ersten Prompts.
Trotzdem hat mich das erwischt.
Ich mache diesen Job seit über 25 Jahren. Ein vergleichbares, individuell entwickeltes Frontend-Projekt hätte ich früher schnell mit 50.000 Euro und mehr kalkuliert.
Jetzt starte ich so etwas nebenbei vom Sofa.
Auch die Geschwindigkeit hat mich überzeugt: In meinen PageSpeed-Tests erreichte die Demo 100 Punkte auf Desktop und Mobile. Wahnsinn.
Und bevor jemand "Bullshit"“ schreit: Diese Demo ist noch kein vollständig umgesetztes Kundenprojekt.
Die Shopify-Anbindung, vollständige Integrationen, SEO-Nacharbeit und Tests fehlen noch. Dafür rechne ich bei diesem überschaubaren Projekt mit weiteren zusätzlichen Tagen.
Aber wer das Ergebnis nur mit "Ist ja noch nicht fertig!" abtut, übersieht den entscheidenden Punkt:
Wie wenig aktive Arbeit inzwischen nötig war, um überhaupt so weit zu kommen.
Shopify Canvas? Mein erster Test war ernüchternd.
Mit Sidekick direkt das Shopify Theme bauen? Kommt das gut? Canvas habe ich ebenfalls ausprobiert.
Für einfache Einstiege vielleicht brauchbar. Für meine Ansprüche war der erste Test bisher enttäuschend. Kein Vergleich zu meinem Headless-Resultat.
Natürlich vergleiche ich hier ein integriertes Werkzeug mit meinem individuell eingerichteten Agenten-Stack. Trotzdem hätte ich mir mehr erwartet.
Dazu folgt später vielleicht noch ein Artikel...
Für manche Agenturen wird das verdammt unbequem...
Wer hauptsächlich Themes installiert, Layouts zusammenschiebt und dafür dicke Rechnungen schreibt, sollte sich solche Ergebnisse anschauen.
Nicht irgendwann. Jetzt.
Wer Kunden versteht, Anforderungen sauber umsetzt, Integrationen beherrscht und Verantwortung für das Ergebnis übernimmt, hat weiterhin etwas zu verkaufen.
Aber der bisherige manuelle Aufwand lässt sich nicht einfach für immer weiterverrechnen.
Und ja, das betrifft auch mich. Ich habe jahrelang genau mit dieser Arbeit mein Geld verdient.
Die unangenehme Frage lautet deshalb nicht mehr nur:
Kann AI das bauen?
Sondern:
Wofür bezahlt Dich der Kunde morgen noch?
Und... Wir sind erst am ANFANG der AI‑Entwicklung & Shopify hat auch noch über 150 weitere Funktionen geplant....
PS: ELYMIA = Mia heißt unsere Katze 😻
