Ich habe das ganze Coaching-Thema in letzter Zeit offen gesagt nicht mehr besonders aktiv verfolgt. Irgendwann wird selbst mir das ewige Spiel aus "Freiheit", "Wohlstand", Dubai, Online-Business und angeblich einfachen Wegen zum fünfstelligen Einkommen etwas langweilig 😁
Aber manche meiner alten Coaching-"Lieblinge" schaffen es trotzdem wieder auf meinen Radar.
Dieses Mal: Niko Dieckhoff
Der Name ist für Euch ja nichts Neues und ich habe ja schon über meine Erfahrungen mit Niko Dieckhoff berichtet. Und nun gibt es hier News...
Die deutsche Niko Dieckhoff GmbH ist insolvent.
Über die Niko Dieckhoff GmbH i.L. in Leverkusen wurde beim Amtsgericht Köln unter dem Aktenzeichen 70c IN 26/26 ein Insolvenzverfahren eröffnet. Die Eröffnung wurde am 24. April 2026 veröffentlicht (Quelle: Insolvenz-Radar).
Aus Liquidation wurde Insolvenz
Wer meinen großen Artikel über Niko Dieckhoff gelesen hat, kennt einen Teil der Vorgeschichte bereits.
Als ich ihn damals genauer unter die Lupe nahm, befand sich die deutsche GmbH bereits in Liquidation. Gleichzeitig lief das Geschäft schon über eine Gesellschaft in Dubai weiter. Auch erste Urteile rund um das von ihm beworbene Dropshipping-Coaching waren damals bereits bekannt.
➡️ Meine Erfahrung mit Niko Dieckhoff und eine Analyse seines Angebots
Jetzt kennen wir den nächsten Teil der Geschichte:
Aus der Liquidation wurde ein Insolvenzverfahren.
Und während die deutsche GmbH damit endgültig ein ziemlich unschönes Kapitel erreicht hat, sieht es auf der anderen Seite überraschend lebendig aus.
Denn das Coaching-Business ist keineswegs verschwunden.
Dubai läuft weiter: Niko Dieckhoff FZCO
Im aktuellen Impressum seiner Website steht weiterhin:
Niko Dieckhoff FZCO
Dubai Digital Park
Dubai Silicon Oasis
Dubai, United Arab Emirates.
Quelle: niko-dieckhoff.info und Dubai Business Directory
Und dort wird auch weiterhin fleißig Dropshipping verkauft. Die aktuelle Website wirbt immer noch mit:
"Wohlstand & Freiheit in 12 Wochen mit Dropshipping"
... und behauptet, Anfänger und Fortgeschrittene beim Aufbau eines Online-Shops zu unterstützen, mit dem ein vier- bis fünfstelliges Einkommen möglich sein soll. Laut Website hätten bereits mehr als 1.500 Teilnehmer von der Strategie profitiert.
Weiter unten wird es noch konkreter.
Die Zusammenarbeit richte sich unter anderem an Menschen, die 3.000 bis 5.000 Euro im Monat oder mehr dazuverdienen möchten. Für den Start des Online-Shops seien laut Website lediglich 30 Euro nötig, und Werbekosten brauche man angeblich gar keine, weil mit Mikro-Influencern gearbeitet werde.
Also, fassen wir zusammen:
Deutsche GmbH insolvent.
Dubai-Firma aktiv.
Das Versprechen von Freiheit und Wohlstand lebt ebenfalls weiter.
Business as usual😁
Und auch vor Gericht ging es weiter...
Das ist eigentlich der spannendere Punkt für dieses Follow-up. Denn seit meinem ursprünglichen Artikel sind weitere Urteile zu den von Niko Dieckhoff beworbenen Angeboten hinzugekommen.
Und zwar nicht irgendwann vor Jahren.
Sondern noch 2026.
Februar 2026: DS KI Masterclass landet vor Gericht
Am 5. Februar 2026 entschied das Amtsgericht Weiden i.d.OPf., Az. 3 C 222/25, über die "DS KI Masterclass" von Niko Dieckhoff.
CopeCart verlangte von einer Teilnehmerin insgesamt 3.570 Euro. Zusätzlich waren Inkassokosten aufgelaufen.
Das Gericht entschied zugunsten der Teilnehmerin:
Sie musste weder die Coaching-Gebühren noch die geltend gemachten Nebenkosten bezahlen. Das Gericht stufte das konkrete Angebot als Fernunterricht ein und sah den Vertrag wegen fehlender entsprechender Zulassung als nichtig an.
Quelle: recht.help
Interessant ist hier vor allem eines:
Es ging nicht mehr um irgendein altes Coaching, sondern bereits um die neuere DS KI Masterclass.
Neuer Name. Mehr KI.
Hilft aber nicht. Denn die rechtlichen Probleme waren damit offensichtlich nicht automatisch verschwunden.
Einen Tag vorher: Noch ein Urteil zum Elite Dropshipping Coaching...
Bereits am 4. Februar 2026 hatte das Amtsgericht Hamburg, Az. 640 C 162/25, über das ältere Dropshipping Elite Coaching entschieden.
CopeCart wurde dort zur Rückzahlung von 3.856,66 Euro inklusive Finanzierungskosten verurteilt. Hinzu kamen vorgerichtliche Anwaltskosten. Im Urteil wird Niko Dieckhoff ausdrücklich als Vendor des Coaching-Angebots genannt.
Quelle: recht.help
Damit gab es innerhalb von gerade einmal zwei Tagen gleich zwei neue Entscheidungen zu seinen Angeboten.
Januar 2026: Ebenfalls 3.570 Euro zurück
Schon am 16. Januar 2026 hatte das AG Stuttgart-Bad Cannstatt, Az. 10 C 247/25, CopeCart zur Rückzahlung von 3.570 Euro für ein von Niko Dieckhoff vertriebenes Coaching verurteilt.
Auch dort spielte die fehlende Zulassung nach dem Fernunterrichtsschutzgesetz die entscheidende Rolle. Das Urteil war laut veröffentlichter Übersicht zu diesem Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig.
Quelle: GR Rechtsanwälte
Und das waren nicht die ersten Fälle
Damit wir jetzt aber nicht wieder einen halben FernUSG-Roman daraus machen:
Die Geschichte begann nicht erst 2026.
Schon vorher gab es mehrere Entscheidungen zu Niko-Dieckhoff-Angeboten beziehungsweise zu den Verträgen, die über CopeCart abgeschlossen wurden.
- AG Magdeburg, 06.10.2025 - 105 C 304/25: 3.570 Euro Rückzahlung.
- AG Bad Schwalbach, 25.11.2025 - 3 C 480/24: ebenfalls 3.570 Euro Rückzahlung.
- Dazu kamen bereits die früheren Verfahren aus Berlin, Leipzig und Hannover, über die ich im ursprünglichen Artikel berichtet hatte.
Die entscheidende Botschaft ist damit eigentlich simpel:
Die Verfahren hörten nicht auf!
➡️ Übersicht der FernUSG-Urteile
Hat das FernUSG etwas mit der Insolvenz zu tun?
Natürlich liegt diese Frage jetzt auf dem Tisch.
Hat dieser ganze rechtliche Druck vielleicht zur Insolvenz der deutschen GmbH beigetragen?
Meine Antwort? Möglich. Aber ich kann es nicht belegen. Und darum werde ich auch nicht behaupten:
Die FernUSG-Klagen haben Niko Dieckhoffs GmbH in die Insolvenz getrieben...
Das wissen wir schlicht nicht. Vor allem muss man einen wichtigen Punkt beachten:
Bei mehreren der veröffentlichten Verfahren war CopeCart der Vertragspartner und die beklagte Gesellschaft - nicht die Niko Dieckhoff GmbH.
Man kann also nicht einfach sämtliche Rückforderungen zusammenzählen und behaupten, diese Summen hätten direkt die deutsche GmbH getroffen.
Ob und welche internen Vereinbarungen, Rückgriffsansprüche oder wirtschaftlichen Folgen zwischen CopeCart und den jeweiligen Anbietern bestanden, ist aus diesen Urteilen nicht ersichtlich.
Trotzdem ist der zeitliche Zusammenhang interessant...
Die deutsche GmbH wurde liquidiert.
Immer mehr Kunden gingen gerichtlich gegen Coaching-Verträge vor.
Weitere Rückzahlungsurteile folgten.
Und schließlich wurde 2026 das Insolvenzverfahren über die deutsche Gesellschaft eröffnet. Ob das alles miteinander zusammenhängt?
Keine Ahnung.
Aber die Frage darf man wohl stellen.
Die Coaching-Welt bekommt Gegenwind!
Niko Dieckhoff ist damit auch kein Einzelfall. In den letzten Monaten hat sich im Coaching-Markt einiges bewegt.
- Der eine Anbieter hört komplett auf...
- Der nächste wechselt plötzlich die Nische...
- Aus Dropshipping wird KI...
- Aus E-Commerce wird Trading... Siehe Kevin Helfenstein
Andere verschwinden einfach. Und bei Einigen landen die Probleme irgendwann beim Insolvenzgericht.
Parallel gehen die Gerichtsverfahren rund um hochpreisige Online-Programme weiter.
Deutschland insolvent. Dubai bleibt.
Was bei Niko Dieckhoff am Ende besonders auffällt, ist daher weniger das FernUSG selbst. Sondern...
Auf der einen Seite:
Niko Dieckhoff GmbH i.L. - Insolvenzverfahren in Deutschland.
Auf der anderen Seite:
Niko Dieckhoff FZCO - Dubai.
Und die Website erzählt weiterhin von:
- Wohlstand
- Freiheit
- vier- bis fünfstelligen Einkommen
- 30 Euro Startbudget
- 30 bis 60 Minuten Zeitaufwand am Tag
- und einem erfolgreichen Online-Shop innerhalb von zwölf Wochen
Darf man nach einer Firmeninsolvenz wieder oder über eine andere Gesellschaft weitermachen?
Natürlich.
Eine Insolvenz ist kein Berufsverbot!
Aber wenn jemand anderen weiterhin erklärt, wie sie "Wohlstand & Freiheit" erreichen können, während die eigene ehemalige deutsche Gesellschaft im Insolvenzverfahren steckt...
Tja. Dann darf man zumindest ein wenig genauer hinschauen! 😎
