Ich mag mich noch gut an die Anfangszeiten von Facebook Ads erinnern.
Damals war das teilweise wirklich absurd. Wir hatten Kampagnen, bei denen uns ein Verkauf 20 bis 30 Cent Werbekosten gekostet hat.
Ja. Ein Verkauf. Nicht ein Klick 😁
Bei gewissen Produkten haben die Versandkosten, die wir dem Kunden verrechnet haben, bereits das Produkt und die Werbung gedeckt. Der Rest war Gewinn.
Facebook Ads waren damals zeitweise eine richtige Gelddruckmaschine. Wer früh dabei war, testen konnte und ein vernünftiges Produkt hatte, hatte einen gewaltigen Vorteil.
Diese Zeiten kommen nicht mehr zurück. Aber genau an diese Phase musste ich denken, als ich gesehen habe:
ChatGPT Ads Manager ist jetzt in Europa gestartet!
Seit dem 24. August sind ChatGPT Ads in 31 europäischen Märkten verfügbar. Und seit dem 31. August rollt OpenAI den Self-Service Ads Manager auch in Europa aus. Werbetreibende können ihre Kampagnen damit direkt selbst erstellen und verwalten.
Und ja: Ich freue mich wirklich darauf, das Ding auszuprobieren 🚀
Nicht, weil ich glaube, dass wir dort wieder Sales für 30 Cent bekommen. Das wäre etwas viel Wunschdenken... Sondern weil wir gerade bei einem neuen Werbekanal wieder ganz am Anfang stehen.
Und wie heißt es so schön?
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!
Oder passender für uns:
Wer zuerst testet, lernt zuerst!
Warum ChatGPT Ads für mich so spannend ist?
Bei Facebook, Instagram oder TikTok unterbrichst Du Menschen meistens bei etwas anderem. Sie schauen Videos, lesen Posts oder verschwenden einfach etwas Zeit. Und plötzlich kommt Deine Werbung.
Bei ChatGPT ist die Situation oft völlig anders.
Hier fragt jemand beispielsweise:
Welches Shopify Theme verbessert meine Conversion-Rate?
Oder:
Warum ist mein Online-Shop so langsam?
Oder:
Welches Produkt eignet sich für mein Problem?
Oder:
Welche Software soll ich für mein Unternehmen verwenden?
Das ist teilweise extrem kaufnaher Traffic.
Der Nutzer hat bereits ein Thema, häufig sogar ein konkretes Problem, und sucht aktiv nach einer Lösung. Genau dort kann Deine Werbung erscheinen.
Im Grunde geht ChatGPT Ads damit stark in Richtung Pull-Marketing: Der Nutzer beschäftigt sich bereits aktiv mit einem Thema oder Problem. Genau das unterscheidet solche Situationen von klassischer Push-Werbung, die Dir einfach im Feed auf die Nase gedrückt wird... und manchmal tierisch nervt!
ChatGPT wird Google immer mehr ablösen. Kleines Beispiel? Meine Frau bekommt ihre neuen Klienten unterdessen zu etwa 80 % via organischen Empfehlungen durch ChatGPT! Wahnsinn, oder?
Und darum finde ich das marketingtechnisch verdammt spannend.
Was werde ich damit testen?
Ich habe bereits drei Kandidaten. Und bei allen drei bin ich ziemlich neugierig, wie gut ChatGPT Ads funktionieren wird.
1. Unser CRO-optimiertes Shopify Theme
Das wird mein erster Test. Unser Conversfy Shopify Theme richtet sich an Online-Shop-Betreiber, die ihre Conversion-Rate verbessern wollen.
Und genau diese Leute stellen ChatGPT bereits Fragen wie:
- Wie verbessere ich meine Shopify Conversion-Rate?
- Welches Shopify Theme verkauft besser?
- Welche CRO-Funktionen brauche ich?
- Warum brechen Kunden meinen Warenkorb ab?
- Wie mache ich aus meinem Traffic mehr Umsatz?
Perfekte Zielgruppe!
Ich muss dem Nutzer nicht zuerst zehn Minuten erklären, dass Conversion-Optimierung wichtig ist. Er beschäftigt sich bereits damit und sucht nach einer Lösung.
Genau das macht diesen Traffic für mich interessant.
2. Shopify Speed-Optimierung
Der nächste Kandidat sind unsere Speed-Optimierungen für Shopify Online-Shops.
Auch hier funktioniert das Prinzip wunderbar.
Jemand fragt beispielsweise, warum sein Shopify Online-Shop so langsam ist, wie er seinen PageSpeed verbessern kann oder welche App möglicherweise die Ladezeiten kaputt macht.
Und irgendwann kommt vielleicht die entscheidende Frage:
Wer kann mir das optimieren?
Hallo. Da sind wir! Und, wenn Du wissen willst, was man an Deinem Online-Shop verbessern kann, was Speed angeht, dazu haben wir hier einen kostenlosen Tester für Dich!
Das ist für uns Dienstleister natürlich ein tollen Moment, um sichtbar zu werden. Nicht Wochen vorher über irgendein kaltes Retargeting, sondern genau dann, wenn das Problem gerade aktuell ist und der Nutzer aktiv nach einer Lösung sucht.
3. Mein kleines Geheimprojekt
Und dann kommt noch Nummer drei. Dazu verrate ich noch nicht zu viel 🙂
Wir werden bald eine neue App launchen, mit der Du jeden Online-Shop CRO‑optimieren kannst …
Aber auch dieses Projekt wird perfekt zu ChatGPT Ads passen. Denn die Zielgruppe fragt dort sowieso Dinge wie:
Warum verkauft mein Online-Shop nicht?
Wo verliere ich Kunden?
Was stimmt auf meiner Produktseite nicht?
Wie kann ich meinen Online-Shop optimieren?
Mehr verrate ich dazu bald 😎
Und was ist mit Produkten?
Das dürfte mindestens genauso spannend werden.
OpenAI unterstützt bereits Produkt-Feeds. Du kannst also Deinen Produktkatalog hochladen und daraus Anzeigen erzeugen lassen, inklusive Produktbildern, Preisen, Sale-Preisen, Marke und Bewertungen.
OpenAI sagt sogar, dass Produkt-Feed-Anzeigen bisher zu den stärksten Anzeigenformaten auf der Plattform gehören.
Das ist für Online-Shop-Betreiber natürlich interessant. Aber ich würde deshalb nicht gleich jedes Produkt dort bewerben.
Für günstige Produkte wird es vermutlich schwierig...
ChatGPT Ads dürften zumindest aktuell eher kein Paradies für irgendwelche 19,90-Euro-Gadgets sein.
OpenAI empfiehlt bei CPC-Kampagnen momentan als Startpunkt ein maximales Gebot von ungefähr 3 bis 5 US-Dollar pro Klick.
Das ist schon eine Ansage. Denn wenn Deine Marge pro Bestellung 15 Euro beträgt, brauchst Du keinen Taschenrechner mit AI, um zu erkennen: Das wird schwierig!
Darum würde ich persönlich bei höherpreisigen Produkten anfangen, zu testen.
Und wie immer gilt: Nicht raten, sondern testen. Wie Du Produkte mit möglichst wenig Zeit und Geld testen kannst, habe ich bereits in einem separaten Artikel erklärt.
Meine erste Einschätzung: Ab etwa 75 Euro Warenkorbwert wird es interessant
Die 75 Euro sind natürlich keine harte Grenze. Es hängt von Deiner Marge, Conversion-Rate, Wiederkaufrate, möglichen Upsells und natürlich Deinem Customer Lifetime Value ab.
Aber aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Ab einem Warenkorbwert von ungefähr 75 Euro würde ich anfangen, genauer hinzuschauen.
Noch spannender finde ich hochwertige Nischenprodukte, erklärungsbedürftige Produkte, B2B-Angebote, Premium-Produkte, Software, Abos oder individuell konfigurierbare Produkte.
Warum? Weil bei solchen Produkten häufig vor dem Kauf recherchiert und verglichen wird. Genau dort spielt ChatGPT seine Stärke aus.
Der Kunde fragt nicht einfach nach "roten Schuhen Größe 42", sondern vielleicht nach dem besten Werkzeug für einen bestimmten Einsatzzweck, einem geeigneten Produkt für sein Problem oder nach verschiedenen Lösungen und deren Vor- und Nachteilen.
Und genau in solchen Gesprächen kann Werbung interessant werden.
Das hier ist kein zweites Google Ads
Das finde ich ebenfalls wichtig.
Du kannst im ChatGPT Ads Manager sogenannte Context Hints hinterlegen. Damit gibst Du OpenAI Hinweise darauf, in welchen Gesprächssituationen Deine Anzeige relevant sein könnte.
Das sind aber keine klassischen Exact-Match-Keywords wie bei Google Ads. OpenAI entscheidet anhand verschiedener Signale, welche Anzeige zur Unterhaltung passt.
Das bedeutet für mich: Ich würde nicht einfach meine Google-Ads-Kampagnen kopieren, ein paar Keywords übernehmen und sagen: Fertig.
Viel interessanter wird die Frage:
Welche Fragen stellt mein potenzieller Kunde?
Was beschäftigt ihn? Welches Problem versucht er gerade zu lösen? Welche Informationen braucht er, bevor er eine Entscheidung trifft?
Wird ChatGPT Ads die neue Gelddruckmaschine?
Keine Ahnung. Und wer Dir das heute garantiert, erzählt Dir Bullshit!
Die Facebook-Zeiten mit 30-Cent-Sales werden wir nie wieder sehen. Heute gibt es viel mehr professionelle Werbetreibende, mehr Agenturen, bessere Tracking-Systeme, höhere Budgets und schlicht viel mehr Konkurrenz.
Aber darum geht es mir auch gar nicht.
Mich reizt vielmehr, dass hier gerade ein neuer Kanal entsteht, dessen Regeln noch nicht komplett festgefahren sind.
Jetzt kannst Du herausfinden, welche Fragen und Gesprächskontexte funktionieren, welche Angebote angenommen werden, welche Produkte sich eignen und welche Landingpages tatsächlich verkaufen. Während andere noch darüber diskutieren, ob Werbung in ChatGPT nervig ist, kannst Du bereits echte Daten sammeln und lernen, wie dieser Kanal funktioniert.
Genau DAS ist für mich der Vorteil!
Mein Fazit
Ich finde den Start von ChatGPT Ads in Europa richtig spannend, nicht nur für Agenturen und SaaS-Anbieter, sondern auch für Online-Shops.
Der Nutzer befindet sich häufig bereits mitten in der Recherche. Er vergleicht Produkte, stellt konkrete Fragen und sucht nach Lösungen. Wenn Deine Werbung genau in diesem Moment relevant eingeblendet wird, ist das aus Marketingsicht eine tolle Sache!
Ich werde deshalb sofort loslegen, um zu testen und einer der Ersten zu sein.
Bei Produkten sehe ich vor allem Chancen bei höheren Warenkorbwerten, guten Margen und Nischen, in denen Kunden vor dem Kauf mehr Informationen brauchen...
Ob ChatGPT Ads am Ende wirklich einen guten neuen Ad-Kanal ist, weiß heute niemand. Vielleicht funktioniert es hervorragend. Vielleicht verbrenne ich etwas Geld und OpenAI freut sich😁
Aber genau dafür sind neue Kanäle da: Ausprobieren, messen und lernen.
Denn eines habe ich aus den frühen Facebook-Ads-Zeiten gelernt: Zu früh dabei zu sein, kann etwas Geld kosten. Zu spät dabei zu sein, manchmal deutlich mehr!
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