Ganze LÀnder aussperren mit Apps, nur damit die Shopify-Statistik wieder schöner aussieht? Eine verdammt dumme Idee!
Warum? Weil dabei auch genau die Systeme ausgesperrt werden können, die Besucher bringen: Suchmaschinen, Social-Media-Crawler und andere nĂŒtzliche Bots. Shopify warnt selbst davor.
Ich habe wieder einmal einen aktuellen Fall aus unserer Gruppe, der zeigt, wie teuer dieser Denkfehler werden kann.
40 % Umsatz weg. WTF. Was war passiert?
Am Freitag meldete sich ein Gruppenmitglied bei mir. Ziemlich verzweifelt...
Sein Umsatz war um rund 40 % eingebrochen, und er konnte sich das nicht erklÀren.
Also wurden zuerst die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen geprĂŒft:
- Zahlungsmethoden
- Checkout
- Der Online-Shop generell
NatĂŒrlich gab es CRO & Co. Verbesserungspotenzial an seinem Online-Shop. Das gibt es immer....
Aber keinen offensichtlichen Fehler, der diesen Einbruch erklÀrte.
Beim Tracking wurde sich nur auf die Shopify-Statistiken verlassen.
đš Shopify, NIEMALS als primĂ€re Statistiken nutzen!
Google Analytics war zwar eingerichtet, wurde aber kaum genutzt. In die Search Console wurde gelegentlich geschaut. Bisher hatte ja alles funktioniert.
Dann habe ich den Online-Shop durch unseren internen AI-Checker laufen lassen, der den Online-Shop durchleuchtet und technische Fehler, SEO, GEO & vieles mehr unter anderem mit Browser-Agenten und AI-UnterstĂŒtzung prĂŒft.
Nur kam dieser Checker nicht auf die Website. Fehler.
Hmm. Technischer Fehler? Egal. Gibt es manchmal. Zuerst einmal die Google Search Console anschauen...
Tata. Bingo! Statt ungefÀhr 350 waren nur noch rund 40 Seiten indexiert. Fast 90 % weniger.
Unser Checker kommt nicht auf den Online-Shop. Es fehlen fast alle Seiten im Google-Index. Lieber Kunde, kann es sein, dass Du eine neue App installiert hast?!
Und tatsÀchlich: Eine Geoblocker-App war installiert worden. Damit seine Statistiken wieder stimmen... OMG!
In der vorgefundenen Konfiguration leitete sie betroffene Zugriffe auf Bing weiter - auch die Zugriffe von Google.
Die Statistik sollte sauberer werden. Stattdessen wurde Google vom Online-Shop weitergeleitet... đą
Google kommt SELTEN aus Deutschland!
Ein deutscher Online-Shop wird nicht automatisch nur von deutschen Google-Servern besucht.
Googlebot greift mit verschiedenen auslĂ€ndischen IP-Adressen zu, vor allem aus den USA, verwendet zur Cross-PrĂŒfung aber auch noch andere LĂ€nder. Eine schlecht umgesetzte LĂ€ndersperre kann deshalb das Crawlen VERHINDERN (!!!)
Bekommt Google statt einer Produktseite eine Weiterleitung auf eine fremde Domain, ist das eine Katastrophe!
Und Google ist nicht das einzige Thema.
Facebook crawlt beispielsweise aus den USA und Irland.
LĂ€ndersperren können diese Zugriffe und damit Link-Vorschauen beschĂ€digen. Meta setzt auĂerdem bei der AnzeigenprĂŒfung auf automatisierte Systeme. Diese auszusperren, kann Dir im dĂŒmmsten Fall eine KONTOSPERRE einbringen!
Auch fĂŒr ChatGPT Search ist der Zugriff relevant: OAI-SearchBot sollte Deinen Online-Shop spidern bzw. crawlen können.
Warum? Man findet Dich sonst in ChatGPT, Gemini & Co. nicht.
FĂŒr AI-Sichtbarkeit optimieren und gleichzeitig die Suchcrawler blockieren? Das passt ungefĂ€hr so gut zusammen wie Werbung schalten und danach die EingangstĂŒr abschliessen.
Die Lösung IST Daten filtern. Nicht Besucher aussperren!
Wer nur den deutschen Zielmarkt analysieren möchte, braucht eine entsprechend gefilterte Auswertung.
Keine digitale Grenzkontrolle.
Shopify bietet dafĂŒr bereits den Filter "Human or bot sessionâ in sitzungsbezogenen Berichten. Erkannte Bots lassen sich aus der Auswertung entfernen, ohne ihren Zugriff zu verhindern.
GA4 schlieĂt bekannte Bots und Spider ebenfalls automatisch aus. 100 % sauber ist diese Erkennung allerdings nicht.
Shopify-Stats mĂŒssen auch nicht komplett vergessen werden.
Bestellungen und UmsÀtze sind dort IMMER korrekt. Aber den Rest der Daten sollte man mit Vorsicht behandeln!
Eine passende Lösung: Shoplytics von Florian aus der Gruppe
Wer das Tracking nicht selbst zusammenbauen und laufend betreuen möchte, kann sich Shoplytics von Florian Schoel aus der Community anschauen.
Das Angebot verbindet die Tracking-Einrichtung mit verstÀndlichen Auswertungen und laufender Betreuung. Laut Anbieter gehören dazu:
- GA4 und Dashboards: Google-Analytics-Daten werden fĂŒr die Analyse von Besucherverhalten, Warenkorb, Checkout und VerkĂ€ufen aufbereitet.
- Bot- und Spam-Funktionen: Filter und Schutzfunktionen sollen verfÀlschte Traffic- und Bestellsignale reduzieren.
- Script-Management und Ladezeitoptimierung: Tracking-Skripte werden zeitlich koordiniert geladen, statt einfach wahllos eingebaut.
- Serverseitiges und First-Party-Tracking: ErgĂ€nzende Verfahren sollen bestimmte Datenverluste reduzieren; das Team ĂŒbernimmt Einrichtung und Pflege. (Shoplytics)
Das ist der richtige Ansatz: Tracking, DatenqualitÀt und technische Umsetzung gemeinsam betrachten.
Nicht einfach noch drei Tags einbauen, zwei Apps darĂŒberlegen und hoffen, dass sich alles vertrĂ€gt...
Aber was ist bei echten Angriffen?
Bei Shopify? Weiterlesen. Das ĂŒbernimmt Shopify. Wird nicht passieren.
Bei WordPress und WooCommerce kann etwa eine vorgeschaltete Cloudflare-WAF schĂ€dliche Anfragen prĂŒfen und blockieren, bevor sie die eigentliche Anwendung erreichen.
âĄïž Dazu kannst Du Regeln und Rate-Limits nutzen.
Eine App, die erst nach dem Laden im Browser weiterleitet, ersetzt diesen vorgelagerten Schutz nicht.
Gezielt gegen schĂ€dlichen Traffic vorgehen? Sinnvoll. Ganze LĂ€nder fĂŒr schönere Analytics aussperren? Falsch!
Du hast eine solche App?
Bei bereits installierten Geoblockern sind drei Punkte wichtig:
- Sperren und Weiterleitungen prĂŒfen: Welche LĂ€nder und Zugriffe sind betroffen? Wohin werden sie geschickt?
- Erreichbarkeit und Indexierung kontrollieren: Externe Tests, Search Console und wichtige Produktseiten prĂŒfen.
- Tracking sauber aufsetzen: Bots, ZielmĂ€rkte und Traffic-Quellen in der Analyse trennen, statt den Online-Shop dafĂŒr abzuriegeln.
Fazit: Weniger Bots im Dashboard sind noch kein Erfolg...
In diesem Fall standen 40 % weniger Umsatz, ein massiver Indexierungsverlust und eine falsch eingesetzte Geoblocker-App nebeneinander.
Resultat? Unschön... denn das Verlieren der Positionen in Google ist auch langfristig SEHR schlecht.
Das Learning?
Ein Tracking-Problem gehört ins Tracking. Ein Sicherheitsproblem gehört in den Angriffsschutz.
Wer beides verwechselt, hat am Ende vielleicht eine aufgerĂ€umte Statistik... Nur leider fehlen dann nicht bloĂ die Bots, sondern auch die Besucher, die etwas gekauft hĂ€tten! đ
