Ich habe meine Frau vier Jahre lang gepflegt, bis zu ihrem Tod. Danach war ich lange in Trauer. Irgendwann wollte ich es noch einmal versuchen, wieder jemanden kennenzulernen. Ich dachte, bleibnichtalleine.ch klingt gut. Dann wurde ich abgezockt!
Diese Aussage stammt aus dem investigativen SRF-Video "Die Dating-Masche". Und sie hat mich betroffen gemacht.
Es geht hier zwar nicht um E-Commerce oder Dropshipping. Aber Ihr kennt mich: Ich hasse Abzocke, Scam und Ungerechtigkeit. Und genau deshalb gehört dieser Artikel auf diese Seite.
Denn am Ende geht es auch hier um digitale Geschäftsmodelle, Zahlungsanbieter, Systeme, die funktionieren, und um Menschen, die dabei auf der Strecke bleiben.
Kurz: Es geht um E-Business.
🌍 Update: Fast 1000 Domains auf diesen Servern! Natürlich habe ich selbst ein wenig Research gemacht und dabei 929 verschiedene Websites auf deren Server gefunden!
5 Firmen, über 24 Millionen Euro Umsatz
Im Fokus der SRF-Recherche stehen fünf Firmen mit Sitz im Kanton Zug:
- Paidwings
- Dateblaster
- dateyard
- date4friend
- Qualidates
Nach dem Video betreiben sie zahlreiche Datingseiten auf den Domains:
- instabums.ch*
- geileheidi.ch*
- bleibnichtalleine.ch
- norwaymilfs.com
- nurswinger.ch
* unterdessen Offline
🚨 Ich habe insgesamt 929 Websites auf deren Server gefunden. Darunter Namen wie:
- milfzentrale.com
- notgeil.net
- sugardaddydates.de
- dickedates.ch
- veggieliebe24.de
Der Fantasie ist keine Grenzen gesetzt. Wahnsinn, was es da alles für Namen gibt! 😅
➡️ Die Liste aller 929 Domains mit Logos
Viele dieser Websites haben Trustpilot-Reviews, die unterirdisch sind. Abzocke. Abofalle, etc.
Dennoch erzielten laut SRF-Recherche diese Anbieter gemeinsam rund 24 Mio. Euro Umsatz in zweieinhalb Jahren, z. B.:
- Paidwings: über 10 Mio. EUR
- Dateblaster: ca. 2,5 Mio. EUR
- date4friend: ca. 4,8 Mio. EUR
- Qualidates: ca. 4,5 Mio. EUR
- dateyard: ca. 1 Mio. EUR
Zahlungsdienstleister Worldline mit Provisionen bis 8,6 %
Laut internen Dokumenten, die SRF vorliegen, wickelte Worldline die Transaktionen dieser Plattformen ab. Dabei lagen die Provisionen zwischen 3,8 % und 8,6 % pro Transaktion.
💡 Deutlich über den von Experten als marktüblich bezeichneten 0,5–2 % (z. B. bei anderen Dienstleistern).
Der befragte Experte im Beitrag deutet an, dass eine so hohe Provision ein Hinweis auf ein risikobehaftetes Geschäftsmodell sein kann.
Beschwerden aus ganz Europa: Kaum Konsequenzen...
SRF wertete Beschwerden aus mehreren Ländern aus. Die Zahlen laut Bericht:
- 331 aus der Schweiz
- über 260 aus Norwegen
- 137 aus Schweden
- 50 aus Polen
🚨 DEUTSCHLAND: Die Finanzaufsicht hat der deutschen Tochter der Worldline verboten,
mit diesen Kunden zusammenzuarbeiten.
Das hat aber nicht viel geholfen. Laut SRF wurden die Verträge daraufhin auf Tochterfirmen in anderen Ländern verschoben.
Auch das Schweizer SECO äußerte sich kritisch. Das Geschäftsmodell wurde als verboten bewertet, jedoch seien Verfahren gescheitert, da Beschwerden häufig anonym eingingen.
Erfahrungen: Abo-Fallen, Fake-Profile, Kündigungsprobleme
Laut SRF-Bericht schilderten Nutzer unter anderem:
- Nachrichten direkt nach Anmeldung - auch ohne Foto
- Wiederholte Texte von unterschiedlichen Profilen
- Probleme bei Kündigung – Abos liefen weiter
- Mahnverfahren trotz Storno
Einige Profilbilder waren laut Bildrecherche andere Personen wie z.B. Erotikmodels oder stammten von anderen Fake-Profilen.
Nutzer wurden zudem auf Drittseiten weitergeleitet, die neue Zahlungen verlangten.
Analyse: Die AGB der Websites
Als Beispiel die AGB von ErotikPur. Die AGB sind bei fast allen Websites gleich. Hier fallen sofort die folgenden Punkte auf:
1. Unklare Echtheit der Profile
- Nirgends steht, dass alle Profile echt sind.
- Keine Information, ob mit Animateuren oder Bots gearbeitet wird.
2. Kontakt nur mit Bezahlung möglich
- Kostenlose Mitglieder können kaum kommunizieren.
- Wer schreiben will, muss zahlen – ohne zu wissen, ob echte Personen antworten.
3. Automatische Vertragsverlängerung
- Abo verlängert sich stillschweigend.
- Kündigung oft zu spät oder übersehen → Abo-Falle
4. Kündigung bewusst erschwert
- Kein einfacher Button im Nutzerkonto.
- Kündigung nur per E-Mail oder verstecktem Link.
5. Widerruf praktisch nutzlos
- Wer den Dienst sofort nutzt, verliert sein Widerrufsrecht.
- Viele merken das zu spät.
6. Keine Haftung bei Problemen
- Betreiber lehnt jede Verantwortung ab: bei Fake-Profilen, Betrug oder Datenmissbrauch.
Kundenfreundlich?! Leider lesen die meisten Menschen keine langen AGB durch...
Struktur: Ein Firmengeflecht mit vielen Briefkästen
Die fünf Anbieter nutzen laut SRF:
- Ähnliche Domains und Designs
- Nahe beieinanderliegende Adressen im Kanton Zug
- Gründungen über die Treuhandgesellschaft eins11 AG
Mehrere Verwaltungsräte antworteten laut Bericht nicht oder erklärten, nichts über ihre Firma zu wissen.
Ein im Beitrag zitierter Anwalt nennt diese Aussagen "hochproblematisch" - insbesondere bei Verdacht auf Geldwäsche.
Ein Muster, das wir längst kennen...
Ob emotionale Nähe oder persönlicher Erfolg. Bestimmte Geschäftsmodelle folgen oft demselben Schema:
- Starke emotionale Trigger
- Intransparente Prozesse
- Abos mit automatischer Verlängerung
- Fehlende Kontrolle durch Zahlungsanbieter
Bekannt sind diese Strukturen auch im (Dropshipping) Coaching-Bereich.
Ein Beispiel: Copecart, ein Zahlungsanbieter aus Deutschland, über den auch viele digitale Produkte und Coachings vertrieben werden.
Laut öffentlichen Bewertungen auf Plattformen wie Trustpilot bemängeln Kunden dort:
- Undurchsichtige Widerrufsregelungen
- Verweigerte Rückerstattungen
- Fehlenden Support
- usw.
Auch hier zeigt sich: Der digitale Zahlungsprozess ist oft das Rückgrat solcher Modelle. Würden alle Dienstleister genauer hinschauen, was ihre Kunden da alles verkaufen, gäbe es viel weniger Abzocke!
Fazit
Die SRF-Dokumentation "Die Dating-Masche" zeigt, wie digitale Geschäftsmodelle mit hoher Reichweite und Zahlungsabwicklung über bekannte Anbieter wie Worldline europaweit aktiv sind.
Obwohl hunderte Beschwerden aus mehreren Ländern vorliegen, gibt es bisher kaum Konsequenzen. Behörden stoßen an rechtliche Grenzen. Vor allem, wenn Betroffene anonym bleiben wollen, aus Scham.
Video: Die komplette Reportage
💬 Das Video hat Deutsche Untertitel, sodass Ihr das auch alles verstehen könnt…
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