Würdest Du Dir eine Business-Beratung holen, wenn das Office so aussieht?
Oder würdest Du einer Immobilienagentur spontan Dein Investment anvertrauen, wenn sie in so einem Gebäude sitzt?
Wahrscheinlich nicht. Und genau das ist ein Problem.
Ich bin immer noch in Georgien und investiere hier auch in Apartments. Hier gibt es viele Immobilienfirmen mit schönen Büros.
Glasfront. Teure Möbel. Anzugsmenschen. Nespresso-Kaffee. Lächeln. Alles wirkt seriös. Mit vielen davon habe ich schlechte Erfahrungen gemacht.
Schlechte Projekte. Schlechte Kommunikation. Versprechen, die plötzlich niemand mehr kennen wollte. Viel Blabla. Wenig Substanz.
Dann hat mir ein Kollege diese Agency empfohlen. In diesem Haus.
Von außen sieht es nicht gerade nach Vertrauen aus. Eher nach: Hoffentlich fällt der Balkon nicht mit dem Kaufvertrag runter.
Und? Die Agency ist top!
Die Verpackung schwach. Die Arbeit stark.
Sie reagieren schnell.
Sie denken mit.
Sie lösen Dinge.
Sie liefern einfach ab.
Keine Rolex. Keine Pinguine. Kein Business-Theater. Kein Hochglanzbüro.
Einfach Arbeit.
Und genau daran musste ich denken, als jemand unter meinem YouTube-Video schrieb:
Branchenkenner, aber kein Geld für ein vernünftiges Mikrofon. Genau mein Humor!
Ich war im deutschen TV in einer Sendung als Kenner für Scam-Coaches und E-Commerce. Und dieser Kommentar zeigt das grosse Problem perfekt.
Viele schauen zuerst auf die Kulisse!
Viele schauen zuerst aufs Mikrofon.
Dann auf die Kamera.
Dann auf die Uhr.
Dann aufs Auto.
Dann aufs Office.
Dann auf den Anzug.
Und irgendwann vielleicht auf das Wissen.
Genau darum fallen so viele auf Scam-Coaches, Blender, Berater und unseriöse Agenturen herein.
Weil sie Schein mit Können verwechseln.
Teures Mikrofon.
Fette Uhr.
Tolles Auto.
Teures Office.
Grosse Sprüche.
Ein paar Trendwörter.
Und schon denken viele:
Der muss doch Ahnung haben!
Nein. Muss er nicht.
Ein gutes Mikrofon macht keinen Experten.
Ein schönes Office macht keine gute Agentur.
Ein Anzug macht keinen Profi.
🚨 Und eine Rolex am Handgelenk hat noch nie einen schlechten Dienstleister besser gemacht.
Fake it until you make it? Gefährlicher Bullshit.
"Fake it until you make it" klingt lustig.
Ist es aber nicht, wenn andere Menschen dafür bezahlen.
Bei vielen Coaches, Agenturen und Beratern ist genau das das Geschäftsmodell.
Sie bauen eine Kulisse.
Sie kaufen oder mieten Status.
Sie stellen sich vor teure Autos.
Sie sitzen in Offices, die eher für Instagram als für Kundenarbeit gemacht sind.
Sie reden von Skalierung, AI, Performance, Automatisierung, High-Ticket, Freedom und sonstigem Trendwort-Salat.
Und am Ende kommt beim Kunden nichts an. Oder noch schlimmer: Der Kunde zahlt viel Geld, bekommt wenig Substanz und denkt danach sogar noch, es liege an ihm.
Das ist die eigentliche Sauerei!
Die großen Namen starteten nicht im Hochglanzbüro
Apple, Amazon, Google, HP und Facebook haben am Anfang keine Hochglanzbüros gebraucht.
Jobs, Bezos, Page, Zuckerberg, Gates & Co,
Die wurden nicht groß, weil sie ihre Uhr in die Kamera gehalten haben.
Die haben gebaut.
Die haben verkauft.
Die haben Probleme gelöst.
Die haben geliefert.
Ob Garage, Studentenbude, kleines Büro oder improvisierter Raum: Am Anfang zählt nicht die Kulisse.
Am Anfang zählt, ob jemand etwas kann. Und genau das vergessen viele!
Sie schauen auf den Lack.
Nicht auf den Motor.
Meine eigene Pinguin-Story
Ich kenne das auch von früher.
Ich war jung und noch nicht lange im Business. Aber damals schon einer der wenigen Web-Programmierer in der Schweiz.
Vor einem wichtigen Termin sagte meine Chefin:
Kauf Dir anständige Kleider. Nimm die Karte vom Office. Wir haben ein wichtiges Meeting.
Ich wusste nichts von Anzügen.
Ich kannte aber die Shops für die besten Hoodies. Also musste ein Kollege aus dem Sales mit.
Globus. Ein teures Markenhaus in der Schweiz. Hemd. Anzug. Schuhe. Das ganze Programm. Tausende Franken später sah ich aus wie Business.
Gefühlt habe ich mich wie ein Pinguin. Das war nicht ich. Also: Scheiss drauf.
Ich verstelle mich nicht. Ich ging wieder im Hoodie zum Meeting. Meine Chefin? Gar keine Freude an mir.
Wir saßen bei einer der Top-10 Firmen der Schweiz am Tisch. Ebenfalls dabei? Eine der größten Beratungsfirmen der Welt.
Ich im Hoodie. Die anderen im Anzug. Und am Ende zählte nicht der Stoff.
Es zählten die richtigen Fragen.
- Wer versteht das Problem?
- Wer erkennt die Risiken?
- Wer redet Klartext?
- Wie setzt man das um?
- Wie schnell?
- Was macht Sinn?
- Was ist Blabla?
Genau dort trennt sich Show von Substanz.
Das Resultat?
Meine Chefin war nicht sehr glücklich über meinen Auftritt. Aber wir haben den Auftrag geholt.
Und die Beratungsfirma? Die wurde vom Kunden aus dem Projekt gekickt. Die haben sich an diesem Meeting so blamiert, dass der schöne Anzug auch nichts mehr retten konnte.
Tja. Business ist manchmal brutal ehrlich! 😁
Der Anzug? Der landete trotzdem noch auf der Bühne...
Den teuren Anzug habe ich später doch noch getragen. Halloween. Als James Bond.
Und ja, es fühlt sich gut an, in einem dreckigen Club im teuren Anzug zu stehen und zu wissen:
Mir ist egal, ob das Ding dreckig wird oder ein Brandloch bekommt.
Weil ich keinen Anzug brauche, um etwas darzustellen.
Unterdessen sind sogar noch ein paar Anzüge dazugekommen. Ich trage sie, wenn ich Lust habe. Meistens zu Hochzeiten und Beerdigungen.
Nicht, weil ich muss.
Sondern weil ich will.
Das ist ein Unterschied.
Der beste Partner sitzt manchmal nicht im schönsten Büro
Der beste Partner sitzt manchmal in einem Büro, das nicht fancy aussieht.
Oder er hat gar kein Büro.
Vielleicht arbeitet er remote
Vielleicht hat er ein kleines Team irgendwo verteilt.
Vielleicht sieht sein Setup aus wie Chaos, aber seine Arbeit ist sauber.
Und genau umgekehrt: Die gefährlichsten Blender sitzen manchmal in Offices, die aussehen wie aus einem Film.
Schöne Reception.
Glaswände.
Teure Kaffeemaschine.
Monitor mit KPI-Dashboard.
Vielleicht sogar ein Podcast-Studio im Hintergrund.
Sieht geil aus... Kann trotzdem nur heiße Luft sein.
Was bedeutet das für Dich als Online-Shop-Betreiber?
Ganz einfach. Schau weniger auf die Kulisse. Schau auf die Arbeit!
Wenn Du eine Agentur, einen Coach, einen Berater, einen Freelancer oder einen Dienstleister prüfst, dann frag nicht zuerst:
Sieht der professionell aus?
Frag lieber:
- Welche Probleme hat er schon gelöst?
- Welche Fragen stellt er mir?
- Versteht er mein Geschäftsmodell?
- Spricht er über meine Zahlen oder nur über sich selbst?
- Gibt es echte Referenzen?
- Gibt es echte Resultate?
- Kann er erkläre, was nicht funktioniert?
- Spricht er auch über Risiken?
- Sagt er ehrlich, wenn etwas keinen Sinn macht?
Ein Profi kann das. Ein Blender wechselt dann meistens wieder zur Show.
Dann geht es wieder um Lifestyle, Umsatz, Mindset, Skalierung, AI-Wunder, Masterplan und "nur noch 3 Plätze frei".
Blender erkennst Du oft an der Reihenfolge
Achte auf die Reihenfolge.
Zeigt jemand zuerst Status und dann Wissen?
Oder zeigt jemand zuerst Wissen und braucht den Status gar nicht?
Blender reden gerne über:
- Ihr Auto
- Ihre Uhr
- Ihr Office
- Ihren Umsatz
- Ihre Freiheit
- Ihre Methode
- Ihr Netzwerk
- Ihre "geheimen" Strategien
Profis reden über:
- Dein Problem
- Deine Zahlen
- Deine Marge
- Deine Kunden
- Deine Prozesse
- Deine Risiken
- Deine nächsten sinnvollen Schritte
Das ist ein verdammt großer Unterschied.
Meine einfache Regel, um solche Leute zu entlarven?
Schau Dir nicht nur an, wie jemand wirkt. Schau Dir an, wie jemand arbeitet.
- Schau auf die Kommunikation.
- Schau auf die Geschwindigkeit.
- Schau auf die Ergebnisse.
- Schau auf die Empfehlungen.
- Schau darauf, ob jemand Fragen stellt, die weh tun.
Denn genau dort beginnt echte Beratung.
Nicht beim teuren Mikrofon.
Nicht beim schönen Anzug.
Nicht beim fancy Office.
Fazit: Wer Kompetenz am "Mikrofon" misst, ist die perfekte Zielgruppe für Blender
Das Foto aus Georgien bringt es für mich perfekt auf den Punkt. Das Office, gar nichts Schönes. Aber. Nach der Zusammenarbeit ziehe ich diese vielen Hochglanz-Agenturen vor.
Weil sie liefern!
Und darum geht es am Ende.
Nicht um Bühne.
Nicht um Status.
Nicht um Bling-Bling.
Sondern um Arbeit, Vertrauen und Ergebnisse.
Wer Kompetenz nur am Mikrofon misst, ist genau die Zielgruppe von Blendern.
Und wer im Business nur auf die Fassade schaut, bezahlt irgendwann den Preis dafür!
