Worum geht’s?
- Coach-Begriff: In Deutschland ist „Coach“ nicht geschützt. Ausbildung, Prüfung oder Zulassung sind dafür nicht nötig.
- Typische Masche: Dropshipping-, Business- und Life-Coachings arbeiten oft mit Druck, leeren Versprechen und überteuerten Standardpaketen statt echtem 1:1-Coaching.
- Rote Flaggen: Warnsignale sind Vorkasse, Closer im Verkaufsgespräch, Erfolgsversprechen, nur Videos/PDFs sowie Tricks zum Verlust des Widerrufsrechts.
- Realitätscheck: Im Dropshipping bleiben Risiken wie Retouren, Werbekonto-Sperren, Lieferprobleme, Abmahnungen, Steuern und Cashflow oft unerwähnt.
- Rechtlicher Punkt: Viele Online-Coachings können unter das FernUSG fallen; fehlt die nötige Zulassung, kann der Vertrag unwirksam sein.
Mal ehrlich.
Wie oft müssen eigentlich noch Menschen tausende Euro für Coaching verbrennen, bis alle merken, dass in diesem Markt einiges gewaltig schiefläuft?
ARD/SWR hat sich in der Sendung buy better mit Business-Coaching beschäftigt. Und das Spannende daran ist nicht nur das Thema selbst. Sondern dass inzwischen immer mehr TV-Sender genauer hinschauen.
Business-Coaching. Life-Coaching. Dropshipping-Coaching. E-Commerce-Coaching.
Der Name ändert sich. Die Mechanik dahinter ist oft erstaunlich ähnlich.
Ich wurde inzwischen ebenfalls von TV-Stationen zu diesem Thema angefragt. Und habe mich bisher immer geweigert. Nun ist aber auch die ARD & Co. auf mich zugekommen, sie wollen eine Doku über Dropshipping Coaching-Geschädigte und dubiose Dropshipping-Coachings machen. Und da, konnte (wollte) ich nicht NEIN sagen...
Sobald die Dokumentation online ist, werde ich Euch natürlich informieren 😎
Und. Ich muss dafür über meinen eigenen Schatten springen. Denn, ich bin nicht der Mensch, der vor die Kamera muss. Ich brauche keine Bühne und Showgehabe. Aber für dieses Thema mache ich es.
Nicht meinetwegen. Sondern euretwegen!
Wenn durch solche Beiträge auch nur ein Einsteiger weniger 5.000, 10.000 oder 20.000 Euro für ein leeres Coaching-Programm verbrennt, dann hat es sich gelohnt.
Coaching ist nicht geschützt. Und genau da beginnt das Problem!
Der wichtigste Punkt aus der Doku ist eigentlich simpel:
Jeder kann sich Coach nennen.
Wirklich!
In Deutschland ist der Begriff Coach nicht geschützt. Du brauchst keine Ausbildung, keine Prüfung, keine Zulassung und keinen echten Nachweis, dass Du überhaupt weißt, wovon Du redest.
Du kannst morgen eine Website bauen, ein paar Bilder mit Laptop, Kaffee und ernster Miene machen und schreiben:
Ich helfe Dir, Dein Business auf das nächste Level zu bringen.
Fertig.
Coach.
Natürlich gibt es seriöse Coaches. Keine Frage. Es gibt Menschen, die wirklich Erfahrung haben, sauber arbeiten und ihren Kunden helfen.
Aber es gibt eben auch verdammt viele, die einfach ein Geschäftsmodell entdeckt haben:
Menschen mit Hoffnungen, Frust und Geldproblemen emotional packen - und ihnen dann ein überteuertes Programm verkaufen.
Business-Coaching, Life-Coaching, Dropshipping-Coaching - andere Verpackung, gleiche Masche
Im Video ging es vor allem um Business-Coaching und teilweise auch um Life-Coaching.
Aber ganz ehrlich?
Die gleichen Warnzeichen sehen wir seit Jahren bei Dropshipping-Coachings, E-Commerce-Coachings, Amazon-FBA-Coachings, Copywriting-Coachings, Krypto-Coachings und diesem ganzen "Ich zeige Dir, wie Du in 90 Tagen frei wirst"-Zirkus.
Der Name ändert sich.
Die Masche bleibt.
- "15.000 Euro im Monat verdienen"
- "In 90 Tagen zum erfolgreichen Online-Shop"
- "Kommentiere INFO"
- "Komm in die Gruppe"
- "Nur noch 3 Plätze frei"
- "Du musst jetzt entscheiden"
- "Wenn Du nicht investierst, willst Du es nicht genug"
Das ist kein Coaching.
Das ist Verkauf mit Druck.
Mit ein bisschen Motivation.
Mit ein bisschen Mindset-Gelaber.
Und mit sehr viel Psychologie.
Am Ende bekommst Du dann oft ein paar Videos, PDFs, Gruppen-Calls und eine Community, in der alle so tun, als wären sie kurz vor dem Durchbruch.
Spoiler: Viele sind es nicht.
Video: SWR über Business-Coaching
Hier kannst Du Dir das Video anschauen:
Auch wenn es im Video nicht nur um Dropshipping geht:
Die Warnzeichen sind dieselben.
Druck bleibt Druck.
Leere Versprechen bleiben leere Versprechen.
Überteuerte Baukasten-Programme bleiben überteuerte Baukasten-Programme.
Egal, ob vorne Business-Coaching, Life-Coaching, Dropshipping-Coaching oder Mentoring draufsteht.
Ein Kurs ist ein Kurs. Coaching ist etwas anderes!
Das ist ein Punkt, der mich seit Jahren nervt. Viele Anbieter verkaufen eigentlich einen Videokurs. Nennen es aber Coaching.
Warum?
Weil "Coaching" teurer klingt.
Ein Kurs kann sinnvoll sein. Ein Mentoring kann sinnvoll sein. Ein echtes Coaching kann sinnvoll sein.
Aber dann soll man es auch sauber benennen.
Wenn Du nur Standardvideos bekommst, die jeder andere auch bekommt, dann ist das kein individuelles Coaching.
Dann ist es ein Kurs.
Und wenn dieser Kurs dann 5.000, 8.000 oder 15.000 Euro kostet, darf man schon mal fragen:
Geht’s noch?
Ein guter Coach macht sich überflüssig
Ein guter Punkt aus dem Video war:
Ein guter Coach macht sich irgendwann selbst überflüssig.
Genauso sollte es sein.
Ein guter Coach hilft Dir, bessere Entscheidungen zu treffen. Er gibt Dir Werkzeuge. Er hilft Dir, Dinge klarer zu sehen. Er macht Dich stärker.
Was er nicht macht:
Er macht Dich nicht abhängig.
Wenn aus 10 Sitzungen plötzlich 20 werden, dann 30, dann ein VIP-Programm, dann eine Mastermind, dann ein Inner Circle, dann ein "nur für ausgewählte Teilnehmer"-Upgrade...
...dann solltest Du kurz aufwachen.
Denn dann ist die Frage nicht mehr:
Hilft mir dieser Coach?
Sondern:
Bin ich inzwischen sein Geschäftsmodell?
Coaching ist keine Therapie. Und das vergessen viele!
Auch das wurde im Video klar gesagt:
Coaching ist keine Therapie.
Und genau hier wird es gefährlich.
Viele Menschen suchen Coaching nicht, weil sie gerade voller Kraft sind. Sondern weil sie Probleme haben.
- Stress im Job
- Burnout-Gefühl
- finanzielle Sorgen
- Unzufriedenheit
- Orientierungslosigkeit
- der Wunsch, endlich rauszukommen
Und genau solche Menschen sind anfällig.
Dann kommt ein Coach und sagt:
Du bist nicht kaputt. Du brauchst nur das richtige Mindset.
Dein Umfeld hält Dich klein.
Du musst endlich in Dich investieren.
Klingt erstmal motivierend.
Kann aber auch knallharte Manipulation sein.
Gerade wenn jemand eigentlich professionelle psychologische Hilfe bräuchte, aber stattdessen in ein Business-Coaching gedrückt wird.
Dann wird es nicht nur teuer.
Dann wird es gefährlich.
Vorkasse? Bei hohen Summen sehr vorsichtig sein
Thema Preis? Gute Business-Coachings bewegen sich oft irgendwo im Bereich von 150 bis 400 Euro pro Stunde. Natürlich gibt es Ausnahmen. Teuer ist nicht automatisch schlecht. Günstig ist nicht automatisch gut.
Aber wenn Dir jemand ein Paket für 8.000, 15.000 oder 25.000 Euro verkaufen will und Du vorher kaum weißt, was Du wirklich bekommst, dann solltest Du nicht emotional entscheiden.
Vor allem nicht, wenn sofort Vorkasse verlangt wird.
Ein seriöser Anbieter erklärt Dir klar:
- was Du bekommst
- wie lange es dauert
- was es kostet
- was nicht enthalten ist
- wo die Grenzen sind
- ob das Angebot überhaupt zu Dir passt
Ein unseriöser Anbieter macht Druck.
Und wenn jemand sagt:
Der Preis gilt nur heute.
Dann sagst Du am besten:
Perfekt. Dann halt nicht.
Die typischen roten Flaggen bei Coaching-Angeboten
1. Druck im Erstgespräch
Wenn Du direkt kaufen sollst, Finger weg.
- "Nur heute"
- "Nur noch ein Platz"
- "Du musst jetzt committen"
- "Wer lange überlegt, wird nie erfolgreich"
Das ist kein Coaching.
Das ist ein Verkaufstrick.
2. Du sprichst nicht mit dem Coach, sondern mit einem Closer
Viele dieser Erstgespräche werden nicht vom Coach geführt, sondern von Closern.
Also Verkäufern.
Die Aufgabe dieser Leute ist nicht, Dich ehrlich zu beraten. Die Aufgabe ist, Dich zum Kauf zu bringen.
Und oft bekommen sie Provision.
Je teurer Dein Paket, desto besser für sie.
Merkst Du was?
3. Erfolg wird versprochen
"Wir bringen Dich auf 10.000 Euro Umsatz."
"Mit unserem System kannst Du nicht scheitern."
"Jeder kann das schaffen."
Nein.
Niemand kann Dir seriös Erfolg garantieren.
Schon gar nicht im E-Commerce.
Ein Online-Shop ist kein Geldautomat. Dropshipping ist kein Selbstläufer. Ads sind kein Zauberstab. Und ein Coaching ersetzt keine Arbeit.
Punkt.
4. Es gibt nur Videos, PDFs und Gruppen-Calls
Wenn Du am Ende nur Zugriff auf Videos, ein paar PDFs und wöchentliche Gruppen-Calls bekommst, dann ist das kein individuelles Coaching.
Dann ist es ein Kurs mit Community.
Kann okay sein.
Aber nicht für Preise, bei denen andere ein Auto kaufen.
5. Widerrufsrecht soll mit einem Häkchen verschwinden
Besonders spannend wird es, wenn Du bei der Zahlung bestätigen sollst, dass die Leistung sofort beginnt und Du angeblich Dein Widerrufsrecht verlierst.
Viele Betroffene verstehen gar nicht, was sie da bestätigen.
Dann wird über Copecart, Digistore24 oder ähnliche Plattformen verkauft, und wenn Du später raus willst, beginnt der Spaß mit Mahnungen, Zahlungsdruck und Inkasso.
Nicht immer.
Aber oft genug.
6. Fake-Erfolge, Fake-Bewertungen und gemieteter Luxus
Die Coaching-Szene liebt Show.
- Dubai
- Sportwagen
- Luxuswohnung
- Rolex
- "Bekannt aus..."
- Umsatz-Screenshots
- Trustpilot-Bewertungen
Aber was davon ist echt?
Ein Umsatz-Screenshot ist kein Gewinn.
Ein gemieteter Lamborghini ist kein Erfolg.
Ein bezahlter Medienartikel ist keine Kompetenz.
Eine 5-Sterne-Bewertung ist kein Beweis.
Darum haben wir den FakeReviewInspector gebaut.
Damit kannst Du Bewertungen von Coaching-Anbietern und Online-Shops prüfen und sehen, ob Muster auffällig sind.
Was hat das mit Dropshipping-Coachings zu tun?
Alles.
Gerade im Dropshipping-Bereich werden Einsteiger seit Jahren mit schnellen Erfolgsversprechen gelockt.
Die Story ist fast immer dieselbe:
Ich war pleite.
Dann habe ich Dropshipping entdeckt.
Heute verdiene ich fünfstellig im Monat.
Und ich zeige Dir, wie Du das auch schaffst.
Klingt gut.
Aber was fehlt meistens?
Die Realität.
- Retouren
- PayPal-Probleme
- gesperrte Werbekonten
- schlechte Lieferanten
- Abmahnungen
- Markenrecht
- Produktsicherheit
- GPSR
- Verpackungsgesetz
- schlechte Produktqualität
- Cashflow
- Tracking
- Conversion-Optimierung
- Kundensupport
- Steuern
Komisch, oder?
Genau die Dinge, die Dir später das Genick brechen können, werden im Verkauf selten groß erwähnt.
Warum wohl?
Weil es sich schlechter verkauft.
Viele Einsteiger brauchen kein Coaching
Das wird einigen nicht gefallen, aber ich sage es trotzdem:
Viele Einsteiger brauchen am Anfang kein teures Coaching.
Sie brauchen Grundlagen. Realität. Saubere Recherche. Echte Zahlen. Ein realistisches Verständnis davon, was E-Commerce bedeutet.
Und sie brauchen die Fähigkeit, Dinge umzusetzen.
Nicht noch ein Mindset-Call.
Wenn Du nicht bereit bist, selbst zu lernen, zu testen, zu lesen, zu analysieren und Verantwortung zu übernehmen, dann hilft Dir auch kein 10.000-Euro-Coaching.
Dann bist Du nur 10.000 Euro ärmer.
Gibt es gute Coaches?
Ja. Natürlich.
Ich bin nicht gegen Coaching. Ich bin gegen Bullshit.
Ein guter Coach oder Mentor kann extrem wertvoll sein.
Aber nur, wenn er:
- echte Erfahrung hat
- transparent arbeitet
- keine falschen Versprechen macht
- Deine Situation individuell anschaut
- Dir nichts aufdrängt
- klare Grenzen nennt
- Dich nicht abhängig macht
- ehrlich sagt, wenn sein Angebot nicht passt
Ein guter Coach sagt auch mal:
Du brauchst mein Coaching aktuell nicht.
Ein schlechter Coach sagt:
Wenn Du jetzt nicht kaufst, bist Du selbst schuld, wenn Du arm bleibst.
Kleiner Unterschied.
Große Wirkung.
FernUSG: Der Punkt, den viele Coaches nicht hören wollen
Bei Online-Coachings, Kursen und Mentoring-Programmen gibt es noch ein weiteres Thema:
Das Fernunterrichtsschutzgesetz, kurz FernUSG.
Seit dem BGH-Urteil vom 12. Juni 2025 ist dieses Thema für viele Online-Coaching-Anbieter richtig unangenehm geworden.
Viele Programme, bei denen online Wissen vermittelt wird, können unter das FernUSG fallen. Wenn dann die notwendige Zulassung fehlt, kann der Vertrag unwirksam sein.
Das hängt natürlich immer vom konkreten Angebot und Vertrag ab. Aber der Punkt ist wichtig.
Wir haben dazu bereits einen ausführlichen Artikel:
➡️ FernUSG: Nach Online-Coachings, Kursen & Co. suchen. Hat der Anbieter eine Zulassung oder nicht?
Wenn Du bereits ein teures Online-Coaching gekauft hast und unzufrieden bist:
Prüfe diesen Punkt.
Und wenn es um hohe Summen geht, hol Dir rechtliche Hilfe. Nicht erst dann, wenn Inkasso vor der Tür steht.
Mein Fazit
Nicht jedes Coaching ist Abzocke. Aber Du solltest verdammt genau hinschauen.
Coaching kann helfen. Aber nicht jeder braucht ein Coaching. Nicht jeder Coach ist ein Experte. Nicht jedes Programm ist sein Geld wert. Und nicht jeder, der auf Social Media erfolgreich aussieht, ist erfolgreich.
Bevor Du irgendwo Geld überweist, prüfe:
- Wer steckt wirklich dahinter?
- Gibt es ein vollständiges Impressum?
- Gibt es echte Referenzen?
- Gibt es klare Inhalte?
- Gibt es einen sauberen Vertrag?
- Gibt es Druck im Verkaufsgespräch?
- Gibt es unrealistische Versprechen?
- Gibt es echte Ergebnisse oder nur Screenshots?
- Gibt es unabhängige Erfahrungen?
- Gibt es eine FernUSG-Zulassung, falls notwendig?
Und vor allem:
Frag Dich ehrlich, ob Du wirklich ein Coaching brauchst.
Oder ob Du zuerst einfach lernen, umsetzen, testen und Verantwortung übernehmen musst.
Denn eines kann Dir kein Coach abnehmen:
Die Arbeit.
Wenn Dir jemand etwas anderes erzählt, dann weißt Du jetzt, was zu tun ist.
Finger weg!
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