Klaus verkauft Kaffee. Seit drei Jahren betreibt er einen kleinen, aber liebevoll kuratierten Online-Shop mit schonend gerösteten Bohnen aus Guatemala.
Seine Kunden lieben den milden Geschmack - besonders die mit empfindlichem Magen. Und genau das wollte Klaus jetzt auch bewerben.
- "Magenschonend" und bekömmlich stand auf der neuen Startseite.
- "Gut verträglich, für sensible Genießer" war der Slogan in seinen Meta Ads.
- 2 Tage später: Werbeanzeige abgelehnt.
- 7 Tage später: Kontosperrung bei Meta.
- 2 Wochen später: Die Abmahnung im Briefkasten.
Was ist passiert? Der Klassiker. Und eine verdammt lehrreiche Geschichte für jeden, der Kaffee oder irgendwas Essbares verkauft.
Problem: Harmloses Wort, teure Wirkung!
Begriffe wie "magenschonend", "bekömmlich" oder "gut verträglich" wirken auf den ersten Blick wie USP für die Kunden. In Wahrheit stolperst Du damit mitten in die Health-Claims-Verordnung (HCVO).
Denn: Diese Begriffe sind gesundheitsbezogene Angaben und die sind in der EU streng reguliert.
Klingt bürokratisch? Ist es. Aber wichtig! Denn Du darfst in Deutschland (und Europa) nichts über die gesundheitliche Wirkung eines Lebensmittels sagen, ohne:
- wissenschaftlichen Beleg
- offizielle Zulassung (aus Liste nach Art. 13 oder 14 HCVO)
- und exakte Formulierung
Was wie ein nettes Attribut wirkt, kann also rechtlich ein Gesundheitsversprechen sein, und das ist wettbewerbswidrig, wenn Du es nicht korrekt belegst.
Reale Beispiele
Damit Du siehst, dass das kein Einzelfall wie bei Klaus ist, hier ein paar Urteile:
- BGH - "Bekömmliches Bier" (Az. I ZR 252/16): Der Begriff "bekömmlich" suggeriert gesundheitliche Vorteile.
→ unzulässig - LG Hildesheim (Az. 11 O 11/20): Kaffee mit "gut verträglich" & "bekömmlich" beworben.
→ abgemahnt - LG München I (Az. 17 HK O 12885/21): "Magenschonender Kaffee".
→ Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht
Und die Werbeplattformen? Auch die erlauben diese Health-Claims nicht.
Health-Claim Regeln bei Meta, Google Ads & Co.
Klaus dachte, sein Text wäre toll formuliert. Meta nicht. Der Algorithmus hat die Anzeige automatisch abgelehnt – wegen angeblicher Heilwirkung.
Klaus verstand das nicht und hat das Ad nochmals eingereicht. Tja. Beim dritten Versuch war sein Konto dann ganz gesperrt.
Aber Meta ist nicht allein.
Auch Google Ads, TikTok, Pinterest & Co. prüfen heute automatisiert auf "medizinische Versprechen". Und ja, selbst bei Kaffee.
Denn: Alle großen Plattformen verbieten gesundheitsbezogene Aussagen, wenn sie nicht durch medizinische oder regulatorisch abgesicherte Nachweise gestützt sind.
Das betrifft Produkte wie Kaffee, Tee, Saft, Schokolade, Nahrungsergänzung. Selbst wenn Du gar keine direkte Heilwirkung bewerben willst.
Was nicht geht:
❌ Gut für die Verdauung
❌ Hilft gegen Magenprobleme
❌ Für ein gutes Bauchgefühl
❌Bekömmlich, auch bei empfindlichem Magen
Lösung: Sag dasselbe. Aber anders!
Klaus hat aus seinem Fehler gelernt. Und Du kannst das auch. Statt "magenschonend" schreibt er heute:
✅ Langzeit-Trommelröstung, besonders mild im Geschmack
✅ 100 % Arabica, traditionell geröstet für sanften Genuss
✅ Säuregehalt nur 1,6 g/l laut Laboranalyse
Er sagt also nicht, wie Du Dich fühlst, sondern was im Produkt drin ist. Und genau das ist der Trick, der ihn vor weiteren Abmahnungen schützt – und bei Meta durchkommt.
Willst Du trotzdem was mit Health Claim sagen?
Dann nutze etwa diesen Koffein-Claim.
Koffein trägt zur Erhöhung der Aufmerksamkeit bei!
Aber nur, wenn:
- Deine Portion enthält mind. 75 mg Koffein.
- Du den Claim genau so verwendest
- Du Verzehrmenge und Quelle angibst
Beispiel:
Eine Tasse von unserem Kaffee (80 mg Koffein) trägt zur Erhöhung der Aufmerksamkeit bei!
✅ erlaubt
✅ rechtssicher
✅ geht auch bei Meta & Co.
Fazit: Nicht weniger sagen - nur cleverer!
Gesundheit ist ein sensibles Thema. Nicht nur für Kunden. Sondern auch für Juristen, Wettbewerber und Ad-Plattformen. Das ist wichtig zu verstehen. Denn dann kannst Du trotzdem werben, ohne Risiko!
Denn am Ende geht es nicht darum, gar nichts mehr zu sagen. Sondern darum, das Richtige zu sagen - auf eine rechtlich saubere Art.
Checkliste: So umgehst Du die Health-Claim-Falle
✅ Vermeide Begriffe wie "bekömmlich", "magenschonend", "magenfreundlich"
✅ Nutze echte Fakten: Röstverfahren, Säuregehalt, Koffeinmenge
✅ Nur zugelassene Health Claims verwenden (z. B. Koffein = Aufmerksamkeit)
✅ Prüfe Deine Texte vorher, vor allem bei Meta-Ads
Du bist nicht sicher, ob Dein Text durchgeht?
Für Meta-Ads kannst Du dieses Tool hier nutzen:
➡️ AdGPT - Das Tool, um abgelehnte Werbeanzeigen zu vermeiden!
Ansonsten, kannst Du auch ChatGPT zur Hilfe nehmen. Also pass auf. Denn der einzige Schmerz, den Dein Kaffee verursachen sollte, ist, wenn die Packung leer ist! 😎
